Wir, eine Handvoll Klienten der Gesellschaft für Soziale Hilfen Norddeutschland haben beschlossen eine Zeitung zu gründen. –

Dies ist unsere Geschichte.

Im Sommer 2015 wurde das Projekt GSHN-Zeitung als internes Angebot für die Klienten der Gesellschaft für soziale Hilfen Norddeutschland aus der Taufe gehoben. Zunächst verliefen die wöchentlichen Redaktionssitzungen seinerzeit mangels Beteiligung ziemlich schleppend. Als sich dann aber ein harter Kern von sechs Personen zusammengefunden hatte, nahm das Projekt in geradezu beängstigender Art und Weise Fahrt auf.

Was als Fingerübung im Schreiben geplant war, wurde unausweichlich zur ernst zu nehmenden Publikation. Dieses dergestalt, dass die Initiatorin sehr schnell überrannt wurde von den Geistern, die sie rief. Folgerichtig trennten sich unsere Wege. – Leider auf eine sehr unschöne Art und Weise, was dem ersten Enthusiasmus einen ziemlichen Dämpfer verpasst hat.

Von den beiden etymologischen Wurzeln des Wortes irre, >>verirrt<<

beziehungsweise >>zornig, rasend<<, verlegten wir uns kurzzeitig auf letztere.

De facto wurde überlegt ob das ganze Projekt nicht aufgegeben werden sollte.

Zum Glück ist dies nicht

geschehen.

In erstaunlicher Einigkeit wurde beschlossen, das Zeitungsprojekt auf keinen Fall aufzugeben. Wir rauften uns zusammen und machten uns an die Arbeit. Es wurde ein ordentliches Konzept auf die Beine gestellt, welches unseren verbliebenen Kontakt zur GSHN, Herrn Borkowski derart begeisterte, dass er uns ermutigte im Zweifelsfall auch alleine den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.

So taten wir.

Nunmehr ohne pädagogische Hilfestellung, dafür umso fröhlicher fanden die weiteren Redaktionssitzungen bei Kaffee und Keksen (manchmal) im wöchentlich im Conciergehaus statt, den Pulitzerpreis immer fest im Blick.

Aus dem Nichts bildete sich eine mehr oder minder solide agierende Redaktion. Ein Logo wurde kreiert, sich auf Format und Startauflage geeinigt, die Arbeiten an einem Stylesheet und am Layout begannen. Es wurden Menschen vom Fach kontaktiert, Informationen eingeholt, rechtliche Hürden genommen und die ersten Texte getippt.

In Form von Frau Lingnau bekamen wir erneut Anschluss zur GSHN, der Informationsfluss kam wieder in Gang.

Es kamen weitere Redaktionsmitglieder hinzu was uns dem Fernziel, die Irre!-Zeitung zu einem eingetragenen, gemeinnützigen Verein zu machen, wegen der erforderlichen Mitgliederzahl wieder ein Stück näher brachte.

Um den Überblick nicht zu verlieren bildeten sich Arbeitsgruppen, die sich um Teilbereiche der redaktionellen Arbeit wie etwa das Layout, den Internetauftritt, Anzeigenkundenaquise, Kaffeekochen etc. kümmerten.

So nahm das ganze wirre etwas, welches wir Zeitung nannten so langsam Gestalt an.

Mehrere Veröffentlichungstermine wurden gesetzt und wieder verworfen.

Nun war es auch so langsam an der Zeit, sich mit den leidigen Finanzen auseinander zu setzen.

Den größten Posten würden die Druckkosten ausmachen, soviel war klar, aber auch andere Dinge, wie Software, Webspace, Fahrtkosten, Bürobedarf etc. läpperten sich zu einem Betrag, den wir nicht aus eigener Kraft hätten stemmen können. Also auf zur heiteren Sponsorensuche.

Nun firmierte Irre! aber immer noch als pädagogisches Gruppenangebot der GSHN und als solches durften keine Einnahmen erzielt werden.

Also stand nun eine Neupositionierung an, wir mussten unser Verhältnis zur Dachorganisation überdenken.

Herausgekommen ist dabei in allseitigem Einverständnis folgendes: Wir Firmieren als selbstständiges Redaktionsteam, welches verantwortlich im Sinne des Presserechts die Zeitung herausbringt. Bei den ersten beiden Ausgaben greift uns die GSHN sowohl finanziell als auch in Rechtsfragen unter die Arme, auch nutzen wir als Gruppenangebot noch die entsprechenden Räumlichkeiten.

Längerfristig ist allerdings eine Vereinsgründung geplant, um gänzlich unabhängig agieren zu können. Bei der angestrebten Gemeinnützigkeit wären wir dann in der Lage, absetzungsfähige Spenden annehmen zu dürfen und die Finanzierung des Projektes wäre um ein Vielfaches unkomplizierter.

Erste Ausseneinsätze des Teams verliefen noch etwas holprig, da schlichtweg die Übung mit den erarbeiteten Interviewstrategien und dem Equipment fehlte, dennoch war die Resonanz der Aussenwelt auf unser Vorhaben durchweg positiv.

Erste potentielle Anzeigenkunden wurden aquiriert, mehrere Menschen wollten sich als externe Autoren verdingen.

Von nun an ging alles immer schneller. Termine, Termine.

Artikel wollten geschrieben und korrekturgelesen, Fotos geschossen und bearbeitet werden.

Die Layoutgruppe rotierte, die Rezepte der Kochkolumne wurden verköstigt.

Im Mai 2016 ging dann die WordPress-Seite zu Testzwecken online und die Welt erfuhr erstmalig von den Irren. Von nun an gab es kein Zurück mehr.

Allerdings musste aufgrund unklarer Kompetenzen und unklarer Rechtslage erstmal alles wieder vom Netz. Großer Frust auf allen Seiten. Großer Zoff innerhalb der Redaktion inklusive verbaler Entgleisungen des Autors dieser Zeilen. Mea culpa. Die Redaktion und damit das ganze Projekt drohte auseinander zu brechen.

Zum zweiten mal stand die Zeitung IRRE! nicht nur neben der Spur, sondern auch vor dem Aus.

Allein die Krisenintervention unserer neuen Projektbetreuerin half die Situation zu retten.

Nun galt es erstmal die Wogen zu glätten, die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen. Alles zurück auf Anfang, ein möglicher Veröffentlichungstermin rückte in weite Ferne, ebenso die geplante Vereinsgründung. Kompetenzen wurden neu verteilt bzw. beschränkt, das Gruppengefühl gestärkt.

Schleppend ging es vorwärts, der Frust steckte allen noch in den Knochen.

In der Zwischenzeit war das Kieler Spendenparlament als etwaige Geldquelle in den Fokus unserer Bemühungen der Finanzierung gerückt.

Eine achtseitige Probeausgabe wurde erstellt und zwei unserer Redakteure stellten im großen Ratssaal unser Projekt den Parlamentariern vor.

Mit Erfolg.

Ein Großteil der beantragten Mittel wurden bewilligt, Arbeitsmaterial

und Bürobedarf beschafft und Weiterbildungskurse besucht.

Nun waren wir top motiviert, aber auch in der Pflicht Leistung zu bringen, hatten wir doch schon die Vorschusslorbeeren angenommen.

Nunmehr in der heissen Phase, die meisten Artikel fertig, mussten noch Bilder bearbeitet, das Layout gestaltet und die redaktionelle Arbeit beendet werden.

Schließlich dann das PDF zur Druckerei.

Erstausgabe, wir kommen.

In der Retrospektive ein ziemlich wildes Auf und Ab an Emotionen, Höhenflügen und Rückschlägen, welches auf uns einprasselte.

Letztlich kann ich wohl für alle Sprechen, wenn ich behaupte wir sind an dem Projekt gewachsen und sind stolz wie Bolle auf unsere

erste Ausgabe.

Schluss jetzt, Redaktionsschluss, alles Weitere auf Papier.

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